Mädesüß

Filipendula ulmaria

Blätter und die weißen Blüten des Mädesüß in Nahaufnahme.

Leitbezug

Stoffwechsel, Gelenke, Verdauung

Pflanzenqualität

kühlend, entzündungsmodulierend, ausgleichend, reinigend

Traditionelle körperliche Anwendung

Mädesüß wird traditionell verwendet als wohltuendes Stoffwechselkraut, besonders bei ernährungs- oder belastungsbedingter „Hitze“. Es wird traditionell verwendet bei Erkältungen und grippalen Infekten.
Mädesüß begleitet den Bewegungsapparat und wird häufig eingesetzt, um belastete Gelenke und Muskeln zu unterstützen. Auch im Verdauungsbereich wird die Pflanze eingesetzt, um ein harmonisches Bauchgefühl zu fördern.

Psychische & emotionale Qualität

Mädesüß bringt Ruhe, emotionale Klarheit und hilft, „Hitze“ – ob körperlich oder seelisch – abzukühlen. Es unterstützt bei überhöhten Ansprüchen (an sich selbst) und übersteigerter Gewissenhaftigkeit bzw. Pedanterie und hilft beim Loslassen alter Spannungsmuster.
Seine Signatur steht für Frieden, Leichtigkeit und harmonische Balance.

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Inhaltsstoffe
  • Ätherische Öle
  • Flavonoide & Antioxidantien
  • Saponine & Glykoside
Anwendungsbereiche
  • Abwehrkräfte & Immunsystem
  • Atemwege & Bronchien
  • Bewegung & Gelenke
  • Blase & Niere
Pflanzentypen
  • Küchen- & Gewürzpflanzen
  • Wildkräuter
Elemente
  • Äther
  • Luft
  • Wasser

Mädesüß – Botanik

  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Wuchsform: ausdauernde, kräftige Staude, meist 50–150 cm hoch, an günstigen Standorten bis etwa 2
  • Blätter: unterbrochen gefiedert, mit 2–5 großen Fiederpaaren, dazwischen kleinen Teilblättchen und einem 3–5-lappigen Endblättchen. Die Unterseite ist häufig hell und filzig behaart.
  • Blüten: klein, cremeweiß, meist fünfzählig mit zahlreichen Staubblättern, in dichten, reich verzweigten, schirmrispenartigen Blütenständen (Spirren), süßlich duftend
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Früchte: Sammelfrucht aus mehreren schraubig gedrehten Nüsschen
  • Wurzel: Wurzelstock (Rhizom), nicht knollig verdickt. Das unterscheidet Mädesüß vom verwandten Knollen-Mädesüß.

Vorkommen & Standort

Echtes Mädesüß ist in der gemäßigten Zone Europas und Asiens verbreitet und kommt in Österreich von der Ebene bis in die subalpine Stufe vor. Die Staude besiedelt feuchte bis nasse Wiesen, Streuwiesen, Bach- und Grabenränder, Ufergebüsche, Niedermoore und Erlenbruchwälder. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Lagen und nährstoffreiche, dauerhaft feuchte Böden. Wo Mädesüß in dichten Beständen blüht, gilt es als verlässliche Zeigerpflanze für feuchte bis nasse Böden.

Besondere Inhaltsstoffe

Charakteristisch sind Phenolglykoside und Salicylatverbindungen. Beim Trocknen können daraus unter anderem Salicylatverbindungen wie Methylsalicylat entstehen, die zum charakteristischen Duft des getrockneten Krauts beitragen. Die Salicylate liegen überwiegend glykosidisch gebunden vor. Hinzu kommen Flavonoide, allen voran Spiraeosid und Hyperosid, sowie Gerbstoffe, darunter Ellagitannine. Acetylsalicylsäure ist im Mädesüß nicht enthalten, wohl aber Vorstufen und Verbindungen, die im Körper ähnlich wirken.

Tradition & Geschichte

In der europäischen Volksheilkunde galt Mädesüß als schweiß- und harntreibend und wurde bei fieberhaften Erkältungen, Rheuma und Gicht genutzt. Der Name wird oft vom Met abgeleitet, den man mit den duftenden Blüten aromatisiert haben soll. Diese Herleitung ist jedoch umstritten.
Medizingeschichtlich bedeutsam ist die im 19. Jahrhundert aus Mädesüß gewonnene und später als Salicylsäure identifizierte „Spirsäure“. Der Name Aspirin wird meist als Zusammensetzung aus ‚A‘ für Acetyl, ‚spir‘ in Anlehnung an Spirsäure bzw. Spiraea und der Endung ‚-in‘ erklärt.

Verwechslungsgefahr

Verwechselt werden kann Mädesüß mit dem nah verwandten Knollen-Mädesüß (Filipendula vulgaris), das trockenere Standorte bevorzugt, sowie mit dem Wald-Geißbart (Aruncus dioicus). Da Mädesüß an feuchten Standorten wächst, ist aus der Ferne auch eine Verwechslung mit weiß blühenden, teils hochgiftigen Doldenblütlern wie dem Wasserschierling denkbar. Gesammelt werden sollte nur bei sicherer botanischer Bestimmung, im Zweifel durch Fachleute.

Spannend zu wissen

Salicylsäure ist in Pflanzen ein wichtiges Signalmolekül der eigenen Abwehr. Werden Blätter von Krankheitserregern befallen, aktiviert sie Schutzreaktionen, die sich über die ganze Pflanze ausbreiten können – eine Art pflanzliches Immunsystem. Das flüchtige Methylsalicylat kann zusätzlich als Duftsignal wirken und benachbarte Pflanzenteile vorwarnen. Mädesüß speichert diese Stoffe gebunden als Glykoside, freigesetzt werden sie unter anderem beim Trocknen.
Was der Mensch später als Vorbild für Aspirin nutzte, ist also ursprünglich das Werkzeug einer Pflanze, sich selbst zu schützen.

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