Nährstoffe / Sekundäre Pflanzenstoffe / Phytoöstrogene (Isoflavone, Lignane, Stilbene) – NEM

Phytoöstrogene

(Isoflavone, Lignane, Stilbene) – NEM

Rotklee auf Wiese bei Sonnenschein mit Sonnenstrahlen im Hintergrund

Was sind Phytoöstrogene und warum sind sie wichtig?

Phytoöstrogene umfassen strukturell unterschiedliche Pflanzenstoffe mit östrogenrezeptor-modulierenden Eigenschaften. In der Naturheilkunde sind insbesondere Isoflavone (Soja, Rotklee), Lignane (Leinsamen) und Stilbene (v. a. Resveratrol aus Traube/Polygonum) relevant. Sie wirken teils SERM‑ähnlich (gewebsselektiv), antioxidativ und entzündungsmodulierend und werden v. a. in der Menopause, für den Knochenstoffwechsel und die Gefäßgesundheit eingesetzt.

DSC06246_Portrait2
Nicole WopfnerFachredaktion
Beitrag teilen:

Hauptinhaltsstoffe

  • Isoflavone: Genistein, Daidzein (Soja); Formononetin/Biochanin A (Rotklee)
  • Lignane: Secoisolariciresinol‑diglucosid (SDG) → Enterodiol/Enterolacton (Mikrobiom‑Metabolite)
  • Stilbene: Resveratrol (trans‑Resveratrol)
  • Begleitstoffe: Polyphenole/Flavonoide, die Wirkung synergistisch beeinflussen können

Funktionen der Inhaltsstoffe

  • Östrogenrezeptor‑Modulation (v. a. ERβ): gewebsselektive, SERM‑ähnliche Effekte; ligandenabhängige partielle Agonisten/Antagonisten.
  • Antioxidativ/antiinflammatorisch: Hemmung oxidativen Stresses/NF‑κB‑Signalwege; Unterstützung endothelialer NO‑Bildung.
  • Knochenstoffwechsel: Modulation von RANKL/OPG‑Achse und osteoblastärer Aktivität (präklinisch/klinische Marker).
  • Stoffwechsel/Gefäße: leichte LDL/Triglycerid‑Reduktionen und Endothelfunktion ↑ in Studien mit einzelnen Vertretern.
  • Mikrobiom‑Abhängigkeit: Lignan‑Wirkung abhängig von Enterolacton‑Bildung; Isoflavon‑Metabolit Equol nur bei einem Teil der Personen gebildet.

Herkunft und Vorkommen

  • Isoflavone: Sojabohne (Glycine max), Rotklee (Trifolium pratense)
  • Lignane: Leinsamen (Linum usitatissimum), Sesam
  • Stilbene: Traubenhaut/Kerne, Japanischer Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum)

Zubereitung

  • Kapseln/Tabletten mit Isoflavon‑/Lignan‑/Resveratrol‑Extrakten
  • Aglykon‑reiche Formulierungen (z. B. Genistein/Daidzein) zur besseren Bioverfügbarkeit
  • Monopräparate oder Kombinationen im Rahmen „Frauen/Herz‑Kreislauf/Knochen“

Verwendung

Traditionelle Einsatzgebiete

Phytoöstrogen‑reiche Lebensmittel wurden traditionell als stärkende Kost genutzt: Soja in ostasiatischer Ernährung, Leinsamen in europäischer Hausmedizin (Verdauung/hautpflegend), Traubenzubereitungen im mediterranen Raum. Modern werden Extrakte gezielt bei klimakterischen Beschwerden, Knochengesundheit und  Gefäßpflege eingesetzt.

  • Menopausale Beschwerden (Hitzewallungen, Schlaf, Stimmung – modern/traditionell über Ernährung)
  • Knochen‑/Gelenkunterstützung (modern)
  • Gefäßgesundheit/antioxidative Begleitung (modern)

Wissenschaft & Studien (Kurzüberblick)

Präparate mit Isoflavonen, Lignanen oder Resveratrol zeigen Evidenz für Menopausesymptome (v. a. Hitzewallungen), Markerverbesserungen im Knochenstoffwechsel und Gefäßfunktion.

  • Menopause: Isoflavone/Rotklee‑Extrakten – mittlere Reduktion von Hitzewallungen
  • Knochen: günstige Effekte auf Knochenumsatzmarker/BMD‑Erhalt (v. a. Genistein‑reiche Präparate)
  • Gefäße/Stoffwechsel: Resveratrol/Soja‑Isoflavone mit Verbesserungen von FMD (Endothelfunktion) und leichten LDL‑Senkungen
  • Lignane (Leinsamen/SDG): Hinweise auf LDL‑/Blutdruck‑Abnahmen und Hitzewallungsreduktion; Wirkung mikrobiomabhängig

Wichtige Referenzen

  • Sathyapalan T. et al. “Dietary soy isoflavones reduce systolic blood pressure in early menopause.” Nutrients. 2019. zeigt bei frühmenopausalen Frauen signifikanten systolischen Blutdruckabfall nach 6 Monaten

 

  • Khapre S. et al. RCT 2022: Signifikante Verbesserung des Menopause-Score um ca. 38.6 % (peri‑ und postmenopausal
  • Zeraattalab-Motlagh S. et al. “Resveratrol supplementation had beneficial effects on blood pressure, lipid profile, glycemic control and insulin resistance in T2D.” ScienceDirect, 2021

Hinweise

  • Einnahmeempfehlungen: Isoflavone 40–80 mg/Tag, Lignane: 50–200 mg/Tag, Resveratrol 100–300 mg/Tag.
  • Sicherheit: i. d. R. gut verträglich; mögliche GI‑Beschwerden/Kopfschmerz.
  • Vorsicht/Abklärung: östrogensensitive Erkrankungen (z. B. ER+ Mammakarzinom, Endometriose), Uterusmyome – Anwendung nur ärztlich begleitet.
  • Interaktionen: Isoflavone ↔ Thyreoidmedikation (Einnahmeabstand, Jodstatus beachten); Resveratrol ↔ Antikoagulanzien/Thrombozytenhemmer (theoretisch Blutungsrisiko ↑).
  • Mikrobiom: Wirkung von Lignanen und Isoflavonen abhängig von bakterieller Metabolisierung (Enterolacton/Equol) → interindividuelle Unterschiede.
  • Health‑Claims (EU‑VO 1924/2006): keine zugelassenen spezifischen Claims für Isoflavone, Lignane (SDG) oder Resveratrol
  • Kommission E / ESCOP / HMPC: eigenständigen Monographien für isolierte Phytoöstrogene; Bewertungen zu klimakterischen Beschwerden existieren v. a. für andere Arzneipflanzen (z. B. Cimicifuga).

Fragen & Antworten

  1. Was sind Phytoöstrogene?
    Phytoöstrogene sind pflanzliche Verbindungen, die eine ähnliche Struktur wie körpereigene Hormone aufweisen. Sie kommen je nach Gruppe in unterschiedlichen Quellen vor.
  2. Welche Phytoöstrogene gibt es und wo kommen sie vor?
    Die bekanntesten Phytoöstrogene sind Isoflavone in Soja, Lignane in Leinsamen und Stilbene z. B. in Beeren.
  3. Warum werden Phytoöstrogene erforscht?
    Wegen ihrer besonderen chemischen Eigenschaften und strukturellen Ähnlichkeit zu körpereigenen Hormonen.
  4. Wofür sind Phytoöstrogene gut?
    Sie können hormonelle Balance unterstützen, besonders in den Wechseljahren (Hitzewallungen, hormonelles Ungleichgewicht).

Wachse über dich hinaus

Mit neuem Wissen und Inspiration

Verpasse keine News, Kurse oder Webinare – melde dich jetzt für den LIFE LIGHT® Akademie Newsletter an und bleibe immer auf dem neuesten Stand.

lifelight-home-newsletter